Bei Industrie-, Gewerbe-, Büro- und Verwaltungsbauten wird ein Sicherheitsbeauftragter Brandschutz (SiBe) erforderlich, wenn die Summe der Brandabschnittsflächen mehr als 12’000 m² beträgt. Diese Schwelle wird in praxisnahen Schweizer Orientierungshilfen zum betrieblichen Brandschutz explizit genannt und entspricht der Logik der VKF Vorgaben, wonach bei Grösse, Art, Brandgefahren und Personenbelegung organisatorische Brandschutzrollen festzulegen sind.
Zusätzlich zeigen kantonale Vollzugshilfen, dass «Summe der Brandabschnittsfläche über 12’000 m²» als Kriterium in der Qualitätssicherung im Brandschutz geführt wird. Damit steigen Nachweis- und Organisationsanforderungen typischerweise, inklusive klarer Verantwortlichkeiten im Betrieb.
Die VKF Brandschutzvorschriften bilden den schweizweiten Rahmen (Norm und Richtlinien) und werden kantonal vollzogen.
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Was «12’000 m²» in der Praxis bedeutet
Entscheidend ist nicht die Gesamtfläche des Grundstücks, sondern die Summe der Brandabschnittsflächen. Brandabschnitte sind Bereiche, die baulich so voneinander getrennt sind, dass sich Feuer und Rauch nicht unkontrolliert ausbreiten sollen. In grossen Büro- und Industriebauten entsteht daraus ein System aus vielen Schnittstellen:
• mehrere Nutzungen in einem Gebäude (Produktion, Lager, Büro, Technik)
• offene Verbindungen, Zwischenböden, Installationsschächte
• Logistikzonen, Anlieferung, Ladehöfe
• Umbauten im laufenden Betrieb
Je grösser die Brandabschnittssumme, desto weniger funktioniert Brandschutz «nebenbei». Genau hier wird der SiBe zur betriebsinternen Schlüsselfunktion.
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Warum grosse Industrie- und Bürobauten organisatorischen Brandschutz brauchen
Ab dieser Grössenordnung verändern sich die Risiken, die im Alltag relevant sind:
Komplexe Evakuation und Ereignisabläufe
Viele Mitarbeitende, Besucher, externe Firmen, Schichtbetrieb. Räumung, Alarmierung und Führung im Ereignisfall müssen klar geregelt sein, sonst entsteht Verzögerung.
Hoher Anteil technischer Brandschutzmassnahmen
Brandmeldeanlagen, Brandfallsteuerungen, Rauch- und Wärmeabzug, Notstrom, Zutrittslogik, Sicherheitsbeleuchtung. Technische Systeme wirken nur, wenn Unterhalt, Funktionskontrollen und Betriebsprozesse stimmen.
Laufende Änderungen im Betrieb
Umbauten, Linienanpassungen, neue Lagerkonzepte, zusätzliche Maschinen, neue IT- und Elektroinstallationen. Jede Änderung kann Brandabschnitte, Abschottungen, Fluchtwege und Brandlast beeinflussen.
Haftung, Betriebsunterbruch, Versicherbarkeit
In grossen Objekten sind Schadenssummen und Stillstandsfolgen hoch. Behörden- und Versicherungsanforderungen sind in der Praxis konsequenter, wenn Komplexität und Fläche steigen.
Die VKF Logik ist klar: Wenn Brandgefahren, Personenbelegung, Art oder Grösse es erfordern, sind Sicherheitsbeauftragte zu bestimmen.
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SiBe Brandschutz: einfache Erklärung für Geschäftsleitung und HR
Der SiBe ist die intern benannte Person, die den organisatorischen Brandschutz führt, koordiniert und nachweisbar macht. Nicht als «Papierrolle», sondern als betriebliche Verantwortung.
Kurz: Der SiBe sorgt dafür, dass Brandschutzmassnahmen im Alltag umgesetzt werden, Abweichungen erkannt werden und Korrekturen sauber laufen.
Für HR ist das relevant, weil Brandschutz im Betrieb stark vom Verhalten abhängt: Unterweisung, Onboarding, Rollen im Ereignisfall, Disziplin bei Fluchtwegen und Brandabschnitten.
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Typische Aufgaben eines SiBe in Industrie- und Bürobauten
Kantonale Weisungen und Vollzugshilfen beschreiben die Rolle sehr konkret. In der Praxis umfasst sie typischerweise:
1) Kontrolle des baulichen Brandschutzes
• Flucht- und Rettungswege: frei, nutzbar, nicht zugestellt
• Brandabschnittsgrenzen: keine unzulässigen Öffnungen, keine nachträglichen Durchführungen ohne Abschottung
• Brandschutzabschlüsse: funktionsfähig, nicht blockiert
• Abschottungen: vollständig, intakt, dokumentiert
Diese Kontrollaufgaben sind zentral, weil grosse Betriebe permanent Installationen nachziehen und Flächen umnutzen.
2) Mitwirkung im technischen Brandschutz
• Mitwirkung bei integralen Tests
• Periodische Kontrollen von Brandfallsteuerungen
• Koordination mit Wartungsfirmen und interner Technik
So wird verhindert, dass technische Anlagen zwar vorhanden sind, aber im Ereignisfall nicht wie geplant wirken.
3) Organisation, Instruktion, Ereignisrollen
• Alarmorganisation, Sammelplätze, interne Kommunikation
• Instruktion von Mitarbeitenden und Führungskräften
• Einbindung von externen Firmen (Unterhalt, Bau, Reinigung, IT, Logistik)
Gerade in Industrieumgebungen mit Fremdfirmen und Schichtbetrieb ist das die Stelle, an der Konzepte in reale Abläufe übersetzt werden.
4) Dokumentation und Nachweisführung
• Protokolle von Kontrollen und Mängeln
• Erledigungsnachweise und Fristenmanagement
• Aktualisierung relevanter Unterlagen bei Umbauten und Prozessänderungen
In grossen Gebäuden ist Nachweisführung ein eigenes Risikofeld. Ohne saubere Dokumentation entstehen bei Begehungen Auflagen, Unsicherheit und Zeitverlust.
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Was Entscheider festlegen müssen, damit der SiBe funktioniert
Mandat und Kompetenzen
• schriftliche Ernennung, Stellvertretung, klare Zuständigkeiten
• Eskalationsweg: wer entscheidet, wer setzt um, welche Fristen gelten
Ressourcen und Zugriff
• fix eingeplante Zeit für Begehungen, Schulungen, Koordination
• Zugriff auf Pläne, Brandschutzdokumentation, technische Unterlagen, Änderungsprotokolle
Prozessintegration
• Umbauten, Maschinenaufstellungen, Layoutwechsel nur mit Brandschutzprüfung
• Change-Prozess für Durchführungen, Abschottungen, Brandabschnitte
• Schnittstelle zu Facility, Technik, Produktion, Logistik, HR, HSE
Diese Punkte reduzieren nicht nur Risiko, sondern auch Reibung: weniger wiederkehrende Mängel, weniger kurzfristige Auflagen, bessere Planbarkeit.
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Typische Schwachstellen in grossen Büro- und Industriebauten
• Fluchtwege werden schleichend zu Lagerflächen
• Brandschutztüren werden offen gehalten, weil es «praktischer» ist
• Kabel- und Rohrdurchführungen entstehen ohne zulässige Abschottung
• technische Brandfallfunktionen werden gewartet, aber nicht betrieblich geprüft
• Fremdfirmen arbeiten ohne klare Brandschutzregeln
• Dokumentation ist verteilt, veraltet oder nicht auffindbar
Genau diese Risiken adressiert die SiBe Rolle durch Kontrolle, Koordination und konsequente Nachweisführung.
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Fazit: Ab 12’000 m² wird Brandschutz zur Führungs- und Organisationsaufgabe
Bei Industrie- und Bürobauten ab 12’000 m² Brandabschnittssumme ist der SiBe keine Zusatzfunktion, sondern ein betrieblicher Stabilitätsfaktor. Er schafft klare Zuständigkeit, hält bauliche und technische Schutzmassnahmen funktionsfähig und macht den Betrieb gegenüber Behörden und Versicherern belastbar dokumentiert.
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