In der Schweiz verlangen die VKF Brandschutzvorschriften bei bestimmten Nutzungen organisatorische Brandschutzmassnahmen. Dazu gehört die Ernennung eines Sicherheitsbeauftragten Brandschutz (SiBe). Für Beherbergungsbetriebe ist ein SiBe insbesondere erforderlich, wenn mehr als 100 Gäste aufgenommen werden.
Wer in der Hotellerie einen SiBe Brandschutz benötigt
Ein SiBe ist im Hotel und in Beherbergungsbetrieben typischerweise vorgeschrieben oder von der zuständigen Behörde verlangt, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
• Beherbergungsbetrieb mit mehr als 100 Gästen (Schwellenwert gemäss VKF Arbeitshilfen und Publikationen)
• Betrieb mit vielen gleichzeitig anwesenden Personen (z. B. Bankette, Events, Seminare). Bei grossen Personenbelegungen verlangen kantonale Plattformen und Behörden in der Praxis regelmässig organisatorische Massnahmen inklusive SiBe.
• Temporäre Veranstaltungen im Betrieb: Bei sehr grossen temporären Veranstaltungen wird ein SiBe explizit gefordert und im Sicherheitskonzept ausgewiesen (Beispiel: Merkblatt Veranstaltungssicherheit).
Wichtig für Entscheider: Der konkrete Vollzug läuft über die kantonalen Brandschutzbehoerden und Gebäudeversicherungen. Die VKF gibt den Rahmen vor, die Beurteilung im Einzelfall erfolgt durch die zuständige Stelle.
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Warum die Pflicht in Hotels besonders konsequent ist
Hotels und Beherbergungsbetriebe haben ein Risikoprofil, das organisatorische Brandschutzrollen praktisch erzwingt:
• Wechselnde Belegung: Gäste kennen Fluchtwege und Hausregeln nicht.
• Schlafende Personen: Brandereignisse eskalieren schneller, Evakuation dauert länger.
• Internationales Publikum: Sprachbarrieren, unterschiedliche Sicherheitsroutinen.
• 24/7 Betrieb: Nachtbetrieb, reduzierte Personaldecke, externe Dienstleister.
• Reputations- und Haftungsrisiko: Ein Ereignis trifft Marke, Auslastung und Versicherbarkeit unmittelbar.
Darum verlangen Richtlinien und kantonale Vollzugshilfen im Gastgewerbe explizit die Ernennung eines SiBe und beschreiben die Rolle als zentrale organisatorische Massnahme.
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Was ist ein SiBe Brandschutz in einfachen Worten
Der SiBe ist die intern benannte Person, die den organisatorischen Brandschutz im Alltag sicherstellt. Nicht als theoretische Funktion auf Papier, sondern als betriebliche Verantwortung mit Kontrollen, Schulung und Nachweisführung.
Einfach gesagt: Der SiBe sorgt dafür, dass Brandschutzmassnahmen im Betrieb funktionieren, verstanden werden und dokumentiert sind, bevor etwas passiert.
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Typische Aufgaben eines SiBe im Hotelbetrieb
Die Aufgaben werden in der Praxis über Vorgaben aus VKF Richtlinien, kantonale Vollzugshilfen und betriebliche Konzepte konkretisiert. Häufig umfasst das im Hotelalltag:
1) Kontrollen und Betriebsdisziplin
• Fluchtwege, Treppenhäuser, Notausgänge: frei, gekennzeichnet, nicht verstellt
• Brandabschlüsse und Türen: funktionsfähig, nicht blockiert
• Brandabschnitte und Abschottungen: keine nachträglichen Durchbrüche ohne Freigabe
• Ordnung in Nebenräumen: Wäscherei, Lager, Technik, Küche
2) Organisation, Instruktion, Training
• Einweisung neuer Mitarbeitender (Housekeeping, Réception, Night Audit, Küche)
• Kurzinstruktionen für Aushilfen und temporäres Personal
• Übungs- und Alarmabläufe, Rollenverteilung im Ereignisfall
3) Dokumentation und Nachweise
• Kontrollprotokolle, Mängellisten, Erledigungsnachweise
• Aktualisierung von Fluchtwegplänen, Belegungsannahmen, internen Weisungen
• Ablage für Audits, Behördenbegehungen, Versicherungsanforderungen
4) Schnittstelle zu externen Stellen
• Koordination mit Gebäudeversicherung, Brandschutzbehoerde, Planern, Wartungsfirmen
• Vorbereitung und Begleitung von Begehungen
• Sicherstellen, dass Auflagen termingerecht umgesetzt werden
Kantonale Weisungen beschreiben den SiBe zudem ausdrücklich als Rolle, die durch Kontrolle und Wartung den einwandfreien Zustand des Brandschutzes unterstützt.
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Was Entscheider und HR konkret regeln müsssen
Damit der SiBe nicht zur Alibi-Funktion wird, braucht es drei klare Festlegungen:
1) Mandat und Kompetenzen
• Schriftliche Ernennung
• Klare Zuständigkeiten (inkl. Stellvertretung)
• Befugnis, Mängel zu melden und Massnahmen anzustossen
2) Zeit und Ressourcen
• Fixe Zeitfenster für Kontrollen und Instruktionen
• Zugriff auf Pläne, Schlüsselregelung, Dokumentationssystem
• Definierte Eskalation bei wiederholten Verstössen
3) Einbindung in Prozesse
• Onboarding Prozess für neue Mitarbeitende mit Brandschutzmodul
• Change-Prozess bei Umbauten, Möblierung, Dekoration, Events
• Abstimmung mit Betriebssicherheit, Technik, Housekeeping, F&B
Gerade HR gewinnt hier Einfluss: Brandschutz wird vom «technischen Thema» zur Führungsaufgabe, weil Verhalten, Instruktion und Routine über den Ausgang entscheiden.
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Häufige Fehler, die Hotels teuer zu stehen kommen
• SiBe ist ernannt, aber ohne Stellvertretung und ohne Zeitbudget
• Fluchtwege werden «kurz» verstellt (Wäschewagen, Lieferungen, Dekoration)
• Nachtbetrieb ohne saubere Alarm und Rollenlogik
• Externe Dienstleister arbeiten ohne Brandschutzbriefing
• Dokumentation fehlt: Kontrollen wurden gemacht, aber nicht nachweisbar